Die Welt ist anders als sie es dir erzählen ...
Diese Stellungnahme faßt das ursprüngliche Interview in den wesentlichen Punkten zusammen.
Für welche Zielgruppen ist STAHLFRONT geschrieben?
Es gibt für Stahlfront sechs unterschiedliche Zielgruppen. "Militär" und "Science Fiction" sind zwei wichtige dieser Zielgruppen.
Stahlfront ist ein bizarrer Mix aus verschiedenen Elementen und genau deshalb für viele Zielgruppen interessant, was natürlich die Gefahr mit sich bringt, bei allen Zielgruppen gleichermaßen "durchzufallen", weil sich keine ausreichend in dem Roman wiederfinden kann.
Dieses entscheidende Gefahrenmoment ist innerhalb weniger Tage nach der ersten Ankündigung bereits gegenstandslos geworden.
Ich kann aber sagen, daß – um meiner Unterhaltungsverpflichtung nachzukommen – die Serie Stahlfront eher nicht präferiert wird von Leuten mit rot-grün gefärbten Haaren, Doppel-Namen und im Focus-Fragebogen als größten Wunsch "Daß alles gut wird" und als persönliches Lebensziel "Möglichst viel Gutes tun" und als Vorbild "Nelson Mandela" angebend.
Was sagst Du zu dem Vorwurf, in STAHLFRONT würden rassistische und sexistische Tendenzen enthalten sein?
STAHLFRONT berührt, provoziert, emotionalisiert und polarisiert.
Zunächst einmal ist die Story um Neu-Schwabenland, Dritte Macht, Flugscheiben usw. interessant und spannend, so daß Sie in Romanform erzählt werden muss. Damit tritt man aber auf eine politische Tretmine: Ein deutsches Balkenkreuz auf einer Flugscheibe ist etwas Blasphemisches (jedenfalls für einige Leute in der BRD). Also stellt sich die Frage, ob man an den Stoff überhaupt rangehen will. Da ich aber nicht der Mensch bin, der auf Eingebungen der political correctness reagiert, interessiert mich das also nicht. Die nächste Frage ist, ob das Spiel mit den gegenwärtigen hysterischen Befindlichkeiten insbesondere der in Deutschland veröffentlichten Meinung in dem Roman stattfinden darf, wird doch dadurch die militärische Grundlage des Romans um die fiktiv-politische erweitert. Die Antwort ist: Ja, es darf. Schlußendlich die Frage, ob es zulässig ist, diesen Mix auf die Spitze zu treiben. Ja, ist es.
Genauso habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie denn die Vertreter der Thule-Macht im Jahr 2010 zu einer Person wie Hitler stehen würden, und bin zu der Meinung (sofern man so schizophren denken kann) gekommen, daß Torn eine "realistische" Sichtweise einbringt und Thule 2010 nichts mit Hitler oder der NSDAP zu tun haben würde. Die Nachkommen einer Absetzbewegung aus überwiegend Truppenteilen der Wehrmacht und Wissenschaftlern/Technikern würden im Abstand von so vielen Jahrzehnten unter eingehender Nachbetrachtung der deutschen Katastrophe von 1945 keinem Hitlerismus anhängen.
Der Rassismus-Vorwurf verkennt die besondere Ironie, ja, den besonderen Anspruch der Geschichte, daß (ausgerechnet) diese "Dritte Macht" die einzige Macht zu sein scheint, die effektiv gegen die Aliens kämpfen kann. Interessante Variante, oder? Welche moralischen Fragestellungen wirft das auf? Keinen Kampf gegen die Aliens zu führen, sondern sich versklaven zu lassen, weil die einzigen starken Helfer welche sind, die ... einem nicht gefallen? ... nicht gefallen dürfen? Dazu fällt mir die Tatsache ein, daß die USA in der Realität keine Skrupel hatten, sich von Ex-SS-Standartenführer Wernher von Braun (und zigtausenden weiterer deutscher "übersiedelter" Wissenschaftler, siehe Aktion "Paperclip") Raketen bauen zu lassen...
Und Sexismus: Also, ich bin hetero und traue mich jetzt einfach mal, das zuzugeben, auch auf die Gefahr hin, daß das ein Skandal sein könnte.
Was ist in dem Roman sexistisch? Daß McBain mit einer Frau Beischlaf ausübt, ohne mit ihr Kinder haben zu wollen (schändliche Männer aber auch)? Daß der Thule-Staat Frauen entführt (das ist doch eher ein Indiz für verbrecherische Aktivitäten als für Sexismus)? Daß die bisher geschilderten Thule-Truppen sich aus Männern rekrutieren? Es gibt US-Studien, die belegen, daß Frauen in Kampfeinsätzen schneller demoralisiert sind als Männer. Das ist kein Sexismus. Die Natur hat zwei Geschlechter geschaffen, die sich mit ihren spezifischen Fähigkeiten ergänzen sollen. Jeder der eine eigene Familie hat, wird diese Erfahrung kennen.
Oder ist der köstliche schwule Manfred Behrens gemeint? Dürfen Schwule bei Stahlfront nicht "mitspielen"?
Über diese Kindergartenvorwürfe kann jeder vernünftige Mensch nur lachen; meine Frau hat vor 20 Jahren als Angestellte Erfahrungen mit der Benachteiligung von Frauen, grundloser Bevorzugung von unfähigeren Männern und widerwärtigen Anspielungen von Vertretern des männlichen Geschlechts gemacht. Dieses ernste und reale Thema sollte jeder in der Realität ansprechen und entsprechend dagegen vorgehen – in dem Buch ist das nicht thematisiert, wir haben hinreichend andere Aufträge zu erledigen.
Wenn diese Vorwürfe nicht zutreffen, warum verklagst du dann die Schreiber nicht?
Das steht mir nicht zu. Sie äußern lediglich eine Meinung, die ihrem Selbstverständnis von "gut sein" und "alles richtig nachplappern" entspricht. Alle Menschen sind gleich geschaffen, es existieren keine Unterschiede, jeder kann Professor werden, (ein Mann hat mit einer Frau möglicherweise nur des Kinderzeugens willen Sex) und Jungen müssen vier Stunden die Woche in der Schule Stricken lernen.
Die Stahlfront-Extrem-Kritiker aus dem SF-Bereich sind Torn und mir im Grunde doch dankbar, daß wir sie von ihrer langweiligen und erfolglosen Suche nach der "ganz neuen, ganz anderen Space Opera" erlöst haben. Endlich gibt es eine SF-Romanserie, die Zündstoff bietet.
Und um einen Vergleich mit unbestrittenen Meisterwerken der Phantastik zu wagen: Bücher wie "1984" und Filme wie "Uhrwerk Orange" werden auch heute noch von vielen Leuten nicht richtig interpretiert.
Vielleicht teilt STAHLFRONT dieses Schicksal.
www.stahlfront.de